Geschmack für alle Lebenslagen

1915: Flackernde Armenieraugen

© Sait Serkan Gurbuz

Die Austreibung gehe nicht vorüber wie ein Erdbeben, das immer noch einen Teil der Menschen und Häuser verschont. Die Austreibung werde so lange dauern, bis der Letzte des Volkes durch das Schwert getötet, auf der Landstraße verhungert, in der Wüste verdurstet, von Cholera und Flecktyphus hinweggerafft sei. Diesmal herrsche nicht regellose Willkür und aufgepeitschter Blutrausch, sondern etwas weit Entsetzlicheres—Ordnung. Alles verlaufe nach einem in den Ministerien von Stambul ausgearbeiteten Plan.

– Ter Haigasun, Die vierzig Tage des Musa Dagh

Der Erste Weltkrieg tobte mit voller Wucht, als in der Hauptstadt des Osmanischen Reichs vor aller Öffentlichkeit begann, was viele Historikerinnen* im Nachhinein einen der ersten Genozide zwanzigsten Jahrhunderts nannten.

Unter dem Vorwand, das armenische Volk habe sich mit Russland gegen die Türkinnen verschworen, ließ die neue nationalistische Regierung in Konstantinopel vor genau einhundert Jahren dessen intellektuelle Elite verhaften. Anschließend fiel die allgemeine armenische Bevölkerung gezielten Massakern zum Opfer oder wurde auf Todesmärschen so lange im Kreis durch die Hitze Syriens geführt, bis sie im Staub liegenblieb. Bis zu 1,5 Millionen Menschen sollen auf diese Weise ermordet worden sein.

Die entvölkerten Dörfer und Städte in Ostanatolien wurden geplündert und neu besiedelt. Sieht man heute auf die Karte, sind die vielzähligen armenischen Ortsnamen fast vollständig verschwunden. Für einen wahrheitsgetreuen Blick in die Geschichte muss man sich woanders umsehen.

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